Text / Diakonie Schweiz

Diakonie steht für sozialen Wandel, der niemanden zurücklässt

Die Plenarversammlung der Diakonie Schweiz diskutierte am 27. Mai in Bern die Ergebnisse ihrer kürzlich veröffentlichten Erhebung zum Diakonat. Heather Roy, Generalsekretärin Eurodiaconia, sprach vor dem Horizont der Europawahlen zum gesamteuropäischen Trend, Menschen für ihre Schwächen bestrafen zu wollen.

Seit diesem Jahr ist die Diakonie Schweiz Mitglied des gesamteuropäischen Dachverbandes Eurodiacona. «Soziale Problemlagen machen nicht vor den nationalen Grenzen Halt, sondern müssen in internationaler Perspektive betrachtet werden», so Esther Gaillard dazu. «Alle Schritte, die das Bewusstsein fördern, dass wir soziale Herausforderungen nicht alleine, sondern nur gemeinsam über die Grenzen hinaus bewältigen können, erachte ich als unterstützenswert», so das Ratsmitglied des Kirchenbundes in ihrem Grusswort.

Angesichts der aktuell laufenden Wahlen zum Europaparlament wies Eurodiaconia-Generalsekretärin Heather Roy auf das Anwachsen rechtsradikaler Strömungen in ganz Europa hin. Viele Menschen in Europa hätten Angst um ihre Identität. Vieles erscheine zu gross und zu weit von ihnen entfernt. Roy beschrieb ein wachsendes Bedürfnis in den europäischen Gesellschaften, Menschen für ihre Schwächen zu «bestrafen». «Arme Menschen sind schmutzig» sei laut einer Umfrage die stärkste Konnotation von Armut in Europa. Hier müsse sich Diakonie solidarisch zeigen. Roy: «Diakonie bedeutet, Menschen aufzufangen, die durch das soziale Netz fallen.» Diakonie stehe für einen sozialen Wandel, der niemanden zurücklasse. Soziale Gerechtigkeit müsse auch die Schwächsten und Ausgeschlossenen einschliessen.

Etwa eine Million Mitarbeitende und ebenso viele Freiwillige engagieren sich in Europa für die Diakonie, so Heather Roy: «Diakonie ist gross. Das wissen aber viele nicht.» Die reiche Erfahrung der Diakonie und ihrer Aktiven müsse deutlicher werden. Auch müsse das Berufsfeld in vielen Ländern Europas interessanter werden; ein grosser Personalmangel sei in vielen Ländern Europas an der Tagesordnung.

Erhebung «Diakonie und Diakonat in den Kantonalkirchen»

Die Erhebung «Diakonie und Diakonat in den Kantonalkirchen» stand in der Plenarversammlung zur Diskussion. Kürzlich hat die Diakonie Schweiz damit eine detaillierte Erhebung zum Diakonat vorgelegt. Das Berufsbild der Sozialdiakonie hat sich deutlich entwickelt, die Anstellungsbedingungen kommen dem aber nicht nach, lautet eine Erkenntnis der Umfrage unter 17 Deutschschweizer Kantonalkirchen. Zudem besteht Nachwuchsmangel. Insgesamt erscheint die Situation des Diakonats als sehr divergent.

Unterschiedliche Berufsbilder der Sozialdiakonie haben in der Schweiz zu verschiedenen Amtsverständnissen geführt. Die Plenarversammlung diskutierte, inwiefern sich auch die Ausbildungen dieser Ausdifferenzierung anschliessen müssten oder ob stattdessen versucht werden sollte, die bestehenden Differenzen in den Amtsverständnissen zu verringern.

Weiter stand die Frage im Raum, ob die Mindestanforderungen zur Anerkennung als Sozialdiakonin und Sozialdiakon möglichst ausschliesslich angewandt werden sollen, um die ihre Wiedererkennbarkeit zu stärken oder ob sie stattdessen geöffnet werden sollen, um der Diversifizierung der Sozialdiakonie nachzukommen.

Die Ergebnisse der Diskussion fliessen in einen konsolidierten Bericht mit weiteren Massnahmen ein, der zur kommenden Plenarversammlung im November 2019 vorgelegt werden soll.

Die Diakonie Schweiz ist die nationale Dachorganisation für Diakonie der reformierten Landeskirchen. Sie fördert den Informationsaustausch zu gemeindediakonischen Projekten, pflegt den Dialog mit der diakoniewissenschaftlichen Forschung sowie zu Netzwerken und legt die Standards der diakonischen Ausbildung fest. Damit werden diakonische Arbeiten aus einer Hand geleistet. Als Konferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK vereint sie sowohl die für Diakonie zuständigen Kirchen- bzw. Synodalratsmitglieder der Landeskirchen als auch zahlreiche diakonische Fachpersonen aus unterschiedlichen Bereichen.

Was kann ich

für Sie tun?

5 + 13 =

IHR ANSPRECHPARTNER:
TOM FLueGGE
+41 79 6401902
TF@BILDWORT.COM